Berufsorientierung im Handwerk einfach machen: mobil, praktisch, maßgeschneidert : Datum:
Praxis erleben, Talente entdecken, berufliche Perspektiven entwickeln: Mit mobilen Werkstätten bringt das Projekt „HeldinEn“ handwerkliche Berufsorientierung direkt an Schulen – und trifft damit auf große Nachfrage.
Berufsorientierung im Handwerk braucht Praxis – doch viele Schulen haben weder Werkräume noch die nötige Ausstattung. Genau hier setzt das InnoVET PLUS-Projekt HeldinEn an: Mobile Werkstätten bringen handwerkliches Ausprobieren direkt zu den Schülerinnen und Schülern. Und das maßgeschneidert für den jeweiligen Bedarf, vom Tages-Workshop bis hin zur Projektwoche.
„Wir beschränken uns nicht darauf, über Handwerksberufe zu informieren, sondern es geht darum, den Schülerinnen und Schülern Orientierung zu geben, ihre Potenziale zu entfalten und ihr Selbstvertrauen und ihre Entscheidungskompetenz zu fördern“, sagt Projektleiterin Heike Fischer von der Handwerkskammer Osnabrück.
So funktioniert das mobile Werkstattkonzept
Regelmäßig beladen die Handwerksmeister die mit bunten Comic-Motiven beklebten Transporter und machen sich in Osnabrück und Umgebung auf den Weg. Ihr Ziel: Jungen Menschen Einblicke in klimarelevante Handwerksberufe ermöglichen. Und weil Berufsorientierung nicht früh genug ansetzen kann, beginnt das Angebot bereits in den Grundschulen und reicht bis zu Gymnasien. Für jede Schule werden das praktische Angebot und der zeitliche Rahmen individuell abgestimmt und an die Bedarfe und Möglichkeiten angepasst. Ergänzend dazu werden auch stationäre Berufsorientierungsangebote in den Werkstätten der Handwerkskammer angeboten.
Die Angebote sind dabei natürlich altersgerecht gestaltet: Wo die Jüngsten kreativ mit Holz oder Fliesen ans handwerkliche Arbeiten herangeführt werden, darf es in der Mittelstufe auch die komplette Vorwandinstallation fürs Badezimmer mit mehreren Gewerken sein: Verrohrung herstellen, Spülkasten anbringen, Fliesen schneiden und kleben, tapezieren.
Praxisnah und individuell für jede Schule
Was aber immer gleich ist: Es geht direkt los. Nach einer kurzen Einführung in Sicherheit, Werkzeuge und Berufsbilder geht es direkt ins praktische Arbeiten. Die Vermittlung erfolgt nicht über Vorträge, sondern im Gespräch während der Tätigkeit. Besonders wichtig ist dabei, auch Mädchen für handwerkliche Berufe zu gewinnen. Geschichten von weiblichen Handwerkerinnen zeigen, dass das Handwerk vielfältige Perspektiven für alle bietet.
Am Ende nehmen die Kinder und Jugendlichen einiges mit nach Hause: praktische Erfahrungen und vielleicht die Erkenntnis, ein Praktikum oder eine Ausbildung im Handwerk machen zu wollen; ein Werkstück, auf das sie stolz sein können; und eine Teilnahmebescheinigung für ihre Bewerbungsunterlagen.
Steigende Nachfrage und positive Rückmeldungen
Nach gut eineinhalb Jahren zeigt sich: Das Konzept geht auf. Während 2025 zehn Schulen mit 525 Teilnehmenden erreicht wurden, werden es im laufenden Jahr bereits 23 Schulen mit 850 Teilnehmenden sein. Der deutliche Anstieg zeigt die hohe Nachfrage und Akzeptanz des Angebots – sowohl bei Schulen als auch bei Schülerinnen und Schülern.
Aber nicht nur die Zahlen überzeugen. Mehrere Schulen äußerten in Briefen und Mails, dass sie das neue Angebot als Bereicherung wahrnehmen und es auch in Zukunft nutzen möchten. Dabei hoben sie vor allem die Möglichkeit praktischer Erfahrungen und grundlegender Einblicke in die Berufe hervor.
Mehrere Schülerinnen der achten Klasse einer Oberschule erkundigten sich im Anschluss, ob sie ihr Schulpraktikum in einem Handwerksbetrieb absolvieren dürfen. Über diesen Einzelfall hinaus soll eine wissenschaftliche Evaluation des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) ermitteln, ob und wie die Angebote die Sicht der jungen Menschen auf eine Ausbildung im Handwerk verändern.
Ganzheitlicher Ansatz zur Fachkräftesicherung
Das innovative Konzept zur Berufsorientierung ist Teil eines ganzheitlichen Ansatzes, mit dem das Projekt Arbeits- und Fachkräfte für klimarelevante Handwerksberufe in der Region Osnabrück gewinnen, qualifizieren und langfristig binden will.
Dazu gehören außerdem:
- Fachpraktische Qualifizierungsangebote
- Integration klimaschutzrelevanter Technologien
- Etablierung eines innovativen Fortbildungsangebots
- Beratungsstrukturen für Klimahandwerksbetriebe
- Regionales Berufsbildungsmonitoring
Verstetigung und Weiterentwicklung
Bis Ende der Projektlaufzeit wird das Berufsorientierungsangebot kontinuierlich weiterentwickelt. So sind etwa Workshops für Jugendliche zu den Themen Smart Home und Wärmepumpe in Planung. Ziel ist es, das Angebot langfristig als festen Bestandteil der Berufsorientierung in der Region zu etablieren. Damit auch andere Kammern in Deutschland von den Konzepten und Erfahrungen profitieren können, werden diese aufbereitet und zur Verfügung gestellt.
Das Projekt
Ziele
► ganzheitliche Begleitangebote zur Berufsorientierung
► fachpraktische Qualifizierungsangebote für klimaschutzrelevante Tätigkeiten
► Integration klimaschutzrelevanter Technologien in Aus- und Weiterbildung
► Etablierung eines Fortbildungsangebots „Geprüfte/-r Berufsspezialist/-in“
► Beratungsstrukturen zur Unterstützung von Klimahandwerksbetrieben
► regionales Berufsbildungsmonitoring
Kontakt
Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim
Heike Fischer
Bramscher Str. 134-136
49088 Osnabrück
Telefon: 0541 6929-881
E-Mail: H.Fischer@hwk-osnabrueck.de
Website: heldinen.de
Verbundpartner
• Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim
• Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln