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Lernortkooperation weiterdenken – vertiefende Impulse für die landwirtschaftliche Ausbildung : , Thema: Lernortkooperation | Landwirtschaft

Im InnoVET PLUS-Projekt TiKoPLUS fand am 10. April 2026 das zweite Kreativforum im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Echem statt. Die Kreativforen dienen der Vernetzung von Akteur/-innen der landwirtschaftlichen Berufsausbildung und zum Austausch zur Lernortkooperation. Diesmal im Fokus: die praktische Ausgestaltung der Lernortkooperation sowie konkrete Umsetzungsmöglichkeiten in Bezug auf Tierwohlthemen.

TiKoPLUS Kreativforum
Copyright: LBZ Echem

Blackbox Lernortkooperation: Herausforderungen und Gestaltungsspielräume

Landwirtschaftliche Betriebe sind im Zuge der landwirtschaftlichen Berufsausbildung als pädagogische Handlungsfelder zu verstehen. Lernen findet hier vor allem praxisnah und im konkreten Arbeitsprozess statt, wobei pädagogisches Handeln häufig intuitiv in den Ausbildungsalltag eingebettet wird. Klassische Formen betrieblicher Sozialisation – wie etwa das Wohnen auf dem Hof – nehmen zunehmend ab, wodurch informelle Lerngelegenheiten nach Dienstende sukzessive abnehmen. Gleichzeitig prägt die betriebliche Sozialisation weiterhin maßgeblich die berufliche Identitätsentwicklung der Auszubildenden.

Persönliche Kommunikation als entscheidender Faktor

In den Diskussionen zur Umsetzung der Lernortkooperation wurde deutlich, dass Kommunikation zwischen den Lernorten häufig zweck‑ und problemorientiert stattfindet und stark von persönlichen Kontakten abhängig ist. Unklare Kommunikationswege, fehlende Kontaktdaten und begrenzte zeitliche Ressourcen erschweren einen kontinuierlichen Austausch. Insbesondere eine stärkere Verzahnung zwischen den Lernorten Schule und Betrieb hinsichtlich gemeinsamer Projekte und Aufgabenformate wird als zielführend erachtet.

Lernortkooperation am Beispiel von Tierwohlthemen

Für die praxisnahe Umsetzung von Lernortkooperation wurden drei konkrete tierwohlbezogene Lernformate entwickelt und diskutiert:

  1. Die Großmethode „Experiment“, am Beispiel tierbezogener Indikatoren, eignet sich besonders zur systematischen Sensibilisierung für Tierwohl und verknüpft praktisches Handeln mit theoretischem Wissen. Dieses Lernformat ist jedoch mit einem hohen Abstimmungs- und Koordinationsaufwand im Rahmen der Lernortkooperation verbunden.
  2. Die Großmethode „Fallstudie“ wird am Beispiel einer Verhaltensbeobachtung von Tieren durchgeführt. Dies erweist sich vor allem in den frühen Ausbildungsjahren als niedrigschwelliger, motivierender Einstieg, der die Fähigkeit zur Reflexion fördert. Zugleich erfordert dieser Ansatz klare Regelungen zum Umgang mit Bild- und Videomaterial und fördert zusätzlich Medienkompetenzen.
  3. Die Großmethode „Praxisaufgabe“ dient der Förderung von Verantwortung für das Tier. Insgesamt besitzt dieses Lernformat das größte Entwicklungspotenzial: Sie spricht fachliche, soziale und personale Kompetenzen gleichermaßen an. Gleichzeitig stellt sie hohe Anforderungen an Organisation und Begleitung durch das Bildungspersonal.

Insgesamt zeigte sich, dass alle entwickelten Lernformate – bei passender Rahmung und klaren Absprachen – wertvolle Beiträge zur Tierwohlbildung und einer Qualitätssteigerung der Lernortkooperation leisten können. Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung ist ein ausgewogenes Zusammenspiel von didaktischer Struktur, praxisnaher Gestaltung und verlässlicher Kooperation zwischen den Lernorten.

Fazit und Ausblick

Das zweite Kreativforum verdeutlicht erneut, dass Lernortkooperation kein standardisiertes Konzept ist, sondern ein dynamischer Gestaltungsprozess. Dieser hängt stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen der Beteiligten ab. Zugleich wird deutlich, dass gemeinsame Aufgabenformate mit Praxisbezug ein hohes Potenzial bieten, Lernorte stärker zu vernetzen und die Ausbildungsqualität zu verbessern.

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die weitere Konzeptentwicklung im Projekt TiKoPLUS ein. Ziel bleibt es, praxistaugliche, anschlussfähige und übertragbare Lösungsansätze zur Stärkung der Lernortkooperation in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung zu entwickeln und zu erproben. Des Weiteren wird die Professionalisierung des Bildungspersonals fokussiert, indem Fortbildungsmöglichkeiten entwickelt werden. Das nächste Kreativforum findet im November 2026 statt.

Das Projekt

TiKoPLUS_Logo

Ziele

► Bildungsmodule, Lehr-Lernsettings und Toolbox zur tierwohlorientierten und pädagogischen Professionalisierung von landwirtschaftlichem Lehrpersonal

► Aufbau der regionalen Lernortkooperation

Kontakt

Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Ulrich Peper
Mars-la-Tour-Straße 1-13
26121 Oldenburg
04139 698-111
ulrich.peper@lwk-niedersachsen.de
www.lwk-niedersachsen.de

Verbundpartner

Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Leibniz Universität Hannover – Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung

Johann Heinrich von Thünen-Institut – Institut für Ökologischen Landbau